Brauche ich Talent um Zeichnen zu lernen?


Gerade zu Beginn, als ich gerade erst mit dem Zeichnen angefangen hatte, habe ich mich immer wieder gefragt, ob ich eventuell über zu wenig Talent verfüge, um das Zeichnen zu lernen.

Wichtiger als Talent sind deshalb Ausdauer, Disziplin, Motivation, und Selbstvertrauen, da sie es einem ermöglichen das umfangreiche Üben, regelmäßig und über einen langen Zeitraum durchzuführen.

Ein angehender Künstler sollte sich nicht von seinem scheinbaren Mangel an Talent verunsichern lassen.

Natürlich hilft Talent dabei, dass Zeichen zu erlernen. Mit dem richtigen Übungspensum ist es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis man das Zeichnen lernt.

Im Nachfolgenden will ich von meinen Erfahrungen berichten, und einige Dinge ansprechen, die ich im Nachhinein für wichtiger als Talent erachte.

Talent, kann man das essen?

Was ist eigentlich Talent, und kann man das messen? Hier ist die ganz klare Antwort: Nein. Wikipedia schreibt über Talent folgendes:

Mit Begabung oder Talent wird ein Aspekt bezeichnet, welcher zu besonderer Leistungsfähigkeit einer Person auf einem bestimmten Gebiet beiträgt.

In Abgrenzung zu erlerntem Wissen und durch Übung erlangte Fähigkeiten, ist Begabung eine besondere Anlage einer Person, auf dem entsprechenden Gebiet vergleichsweise schnell Fortschritte zu machen sowie ein überdurchschnittliches Leistungsniveau erreichen zu können.

Das klingt erst mal kompliziert, heißt aber vereinfacht nicht anders als: Machst du auf einem Gebiet schnellere Fortschritte als andere, so besitzt du Talent.

Das ist eine sehr „schwammige“ Definition und hängt oft vom Blickwinkel des Betrachters ab.

Wie du siehst, sagt die Definition von Talent nichts, über die Fähigkeit bestimmte Dinge zu erlernen. Tatsächlich gibt es Künstler die es mit weitaus größeren Problemen zu kämpfen hatten, als einem Mangel an Talent.

Ohne Talent geht nichts!

Das ist schlichtweg falsch. Mit Übung lassen sich die meisten Dinge erlernen und auch das Zeichnen gehört zu diesen Dingen.

Der polnische Künstler Mariusz Konrad Kedzierski zum Beispiel, wurde ohne vollständige Arme geboren und hat es trotz aller Schwierigkeiten geschaft, seinen Traum zu verwirklichen und das Zeichnen zu lernen. Du kannst dir einige seiner Werke hier anschauen.

Wenn er es, ohne Arme, schaffen kann, dann sollte dir das mit zwei voll funktionstüchtigen Händen doch auch möglich sein oder nicht?

Immer noch nicht überzeugt? Dann lass uns einen Blick auf die Dinge werfe, die wichtiger als Talent sind.

Warum eigentlich?

Bei allen Dingen die man von sich aus anfängt steht zunächst das „wieso?“ Warum willst du Zeichnen lernen? Was treibt dich an?

Du solltest dir darüber im Klaren sein, weshalb du das Zeichnen lernen willst. Hast du erst einmal einen Grund, kann er dir dabei helfen in Phasen der Frustration, neue Motivation zu finden.

Es ist dieser Grund, der dich dazu antreiben wird, mehr als andere zu üben und dich ein ums andere Mal erneut vor dein Papier zu setzen.

Er ermöglicht es dir, im gleichen Tempo zu lernen, wie jemand der über viel „Talent“ verfügt.

Vertraue dir selbst!

Positives Denken hat nachweislich einen großen Einfluss auf unsere Fähigkeit bestimmte Ziele zu erreichen. Vertraue darauf das es dir möglich ist das Zeichnen zu erlernen und hab keine Angst davor Fehler zu machen.

Wer keine Fehler macht, der lernt auch nichts. Fehler sind gut. Sie zeigen uns wo wir uns verbessern müssen und ermöglichen es uns „zu wachsen“.

Natürlich werden deine ersten Zeichnungen nicht so aussehen wie die eines Meisters und das wird auch für lange Zeit so bleiben.

Lass dich davon nicht verunsichern. Mit dem richtigen Übungspensum wird sich auch die Qualität deiner Zeichnungen ändern.

Kannst du durchhalten?

Zeichnen lernen benötigt Zeit. Darüber solltest du dir im Klaren sein. Neben den Grundvoraussetzungen, wie Hand-Augen-Koordination, gibt es Zahlreiche Themen (zB räumliches Zeichen, Licht und Schatten) die du nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Theorie lernen musst.

Gerade das Training der Hand-Augen-Koordination erfordert vor allem eines: viel Übung.

Da hilft nur eins: zeichnen, zeichnen und nochmal zeichnen. Dir wirst etliche Stunden vor dem Papier verbringen und oftmals werden die Ergebnisse dich nur wenig zufrieden stellen.

Die Theorie des Zeichnens ist so vielfältig wie die Welt selbst (immerhin können wir ja auch alles Zeichnen, was es in der Welt gibt), und gerade bei neuen Themen, kann die Vielzahl an Informationen überwältigend sein.

Hast du die Theorie eines bestimmten Themas gelernt, so gilt es die vielen verschiedenen Unterpunkte auch in deinen Zeichnung umzusetzen. Meist kannst du nur einige wenige Dinge in einer Zeichnung üben.

Das hat zur Folge, dass du auch hier mehrere Zeichnungen anfertigen wirst, bevor du einen Aspekt eines bestimmten Themas verinnerlicht hast. (nicht selten mehr als 1000 Zeichnungen)

Das hohe Zeichenpensum kannst du nur erfüllen, wenn du dich regelmäßig (am besten täglich) an deinen Schreibtisch setzt und zeichnest. Besitzt du die Disziplin, das selbe immer und immer wieder zu üben bis du es meisterst?

Zeichnen ist eine Fähigkeit die man sein Leben lang verbessern kann. Hat man eine bestimmte Stufe des Zeichnens erreicht, so wird man unweigerlich die Unterschiede des eigenen Könnens zu Künstlern der nächsthöheren Stufe bemerken.

Da setzt dann wieder der Ehrgeiz ein und man möchte sich selbst verbessern und diese Unterschiede beseitigen.

Bist du bereit mehr zu investieren als Andere?

Du denkst also du hast kein Talent? Dann musst du eben einfach mehr Zeit investieren um diese Tatsache auszugleichen. Dazu musst du bereit sein, wenn du in absehbarer Zeit dein Ziel erreichen willst.

Natürlich hat jeder eine andere Vorstellung davon was es heißt, zeichnen zu können, oder das Zeichnen gelernt zu haben, doch jemand der über „Talent“ verfügt wird es leichter haben und dieses Ziel schneller erreichen.

Setze die richtigen Ziele

Das Setzten der richtigen Ziele ist meiner Meinung nach ebenso wichtig, wie über die nötige Disziplin zu verfügen, diese auch zu erreichen.

Setzt du die falschen Ziele, so kann es dich leicht dazu bringen, deinen Traum vom Zeichnen aufzugeben. Was aber sind die „richtigen“ Ziele, und was die „falschen“?

Das möchte ich gerne anhand eines Beispiels erklären:

Stell dir vor, du hast dir das Ziel gesetzt, wie Kim Jung Gi zu zeichnen. Du übst regelmäßig, doch nach einem Jahr stellst du fest, dass zwischen deine und seinen Werken nach wie vor ein Unterschied wie Tag und Nacht besteht.

Du fängst an, an dir zu Zweifeln, stellst dir Fragen wie: „Kann ich das überhaupt schaffen? Es dauert so lange, macht das überhaupt Sinn?“

Du bist von der Aufgabe die es zu bewältigen gibt, um dein Ziel zu erreichen, überwältigt.

Das führt dazu, dass du das Üben vernachlässigst und letztendlich ganz mit dem Zeichen aufhörst.

Hättest du dir stattdessen als Ziel vorgenommen, jeden Tag eine Stunde zu zeichnen, oder zwanzig Skizzen pro Woche anzufertigen, dann wäre es dir einfach möglich gewesen, das Erreichen dieses Ziels zu Messen.

Dies kann sich positiv auf deine Motivation und dein Durchhaltevermögen auswirken, und kann es dir auf Dauer erleichtern dein Ziel zu erreichen.

Vergiss nicht das Wichtigste!

Das wichtigste beim Zeichnen ist Spaß zu haben. Das solltest du nie vergessen. Bei all den Zeichnungen, die du speziell anfertigst, um einen bestimmten Aspekt zu trainieren, kann man das schnell vergessen.

Dabei ist es bei den meisten der Spaß an der Kreativität und daran, etwas zu schaffen, was sie dazu bringt regelmäßig zu zeichnen.

Natürlich wirst du Dinge zeichnen, die du außerhalb einer Übung nie zeichnen würdest und das ist wichtig, allerdings solltest du auch Regelmäßig deiner Kreativität freien Lauf lassen und dich so richtig austoben.

Solltest du eines Tages vor deinem Papier sitzen und feststellen, dass du dich zum Üben zwingen musst, dann solltest du dir die Zeit nehmen und einige Tage ausschließlich das Zeichnen, was du willst.

Das kann dir helfen, Phasen mit wenig Motivation zu überwinden, und hilft dir dabei langfristig am Ball, bzw am Papier und Stift, zu bleiben.

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