Kann man mit Bleistift auf Leinwand zeichnen?


Einer der ersten Meilensteine beim Zeichnen war für mich, meine eigenen Bilder an meine Wand zu hängen.

Natürlich wollte ich hierzu eine Leinwand nutzen und so hab ich viel damit experimentiert, wie man am besten mit Bleistift auf eine Leinwand zeichnet.

Aufgrund der rauen Oberfläche der Leinwand gestaltet sich das Zeichnen mit Bleistift auch eine Leinwand als sehr schwierig. Immer wieder brechen Linien ab, und auch beim Radieren verschmiert man die Linien eher, als das man radiert. Als Alternative bietet sich das Übertragen der Zeichnung auf die Leinwand an, oder die Digitalisierung der Zeichnung mit anschließendem Druck auf eine Leinwand.

Solltet ihr allerdings doch den harten Weg wählen und direkt auf eine Leinwand zeichnen, so habe ich im Nachfolgenden einige Tipps für euch, die euch dabei helfen werden und euch das Zeichnen vereinfachen werden.

Beschaffenheit einer Leinwand

Um zu erklären wieso sich das Zeichnen mit Bleistift auf eine Leinwand als schwierig gestaltet, müssen wir uns erst ansehen woraus eine Leinwand eigentlich besteht.

Früher wurden Leinwände aus den Fasern der Flachs- oder Leinpflanze gefertigt, die man aus den Stängeln der Pflanzen gewonnen hatte. Anschließend erfolgte die Beschichtung der Leinwand durch einen Knochenleim.

Heutzutage verwendet man diese Art der Leinwand nur noch selten. Anstelle der Lein- und Flachsfasern verwendet man dafür die kostengünstigere, dennoch qualitativ hochwertige Variante mit Baumwolle.

Leinwände gibt es in matter und glänzender Ausführung. Aufgrund der kaum wahrzunehmenden textilen Oberflächenstruktur der matten Leinwände, eignen diese sich besser für das Zeichen, allerdings gibt es hier einige Dinge zu beachten

Darauf muss man achten

Leinwände sind Stoff

Raue Oberfläche einer Leinwand

Damit unterscheiden sie sich erheblich von handelsüblichem Papier oder Zeichenpapier. Während Papier gepresst wird und somit eine sehr feine Struktur aufweist, ist der Stoff grob, und es entstehen größere Unebenheiten

Diese Unebenheiten sind es welche einem beim Zeichnen auf der Leinwand Probleme bereiten werden. Bleistift oder Zeichenkohle gleitet über diese Stellen und trägt an den hohen Stellen mehr Farbe auf.

Dies kann soweit gehen das ihr eine unterbrochene Linie auf eurer Leinwand habt, die immer wieder weiße Punkte aufweist.

Erhöht ihr den Druck um auch die tiefer gelegenen Flächen zu erreichen , so lauft ihr Gefahr die Leinwand zu beschädigen, oder eure Kohle zu zerbrechen.

Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl ist es möglich diese Art von Linie „auszubessern“ allerdings sollte man hier eine Menge Zeit einplanen.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass hier ein sehr weicher Bleistift bzw. Kohlestift zu guten Ergebnissen führt.

Eine weitere Gefahr bei zu viel Druck, stellt das entstehen von Dellen oder Beulen dar.

Diese entstehen wenn die Leinwand aufgrund von zu viel Druck „ausleiert“. Um dies zu vermeiden muss man sehr vorsichtig Druck ausüben und darauf achten, das die Leinwand nicht zu weit eingedrückt wird.

Vorsicht beim Radieren

Auch das Radieren kann auf einer Leinwand zu einem Problem werden. Aufgrund des Untergrunds kommt es beim Radieren zu Problemen, da die aufgetragene Farbe eher verwischt als verschwindet.

Gleichzeit werden auch hier die Unebenheiten zum Problem.

Sie vermeiden hier, dass die Linie vollständig abgetragen wird, da die tiefer liegenden Stellen dem Radiergummi nur schwer zugänglich sind.

Anstelle eines normalen Radiergummis empfiehlt es sich hier eine sogenannten Schmutzradierer zu verwenden.

Diesem gelingt es gut, die Linien vollständig von der Leinwand zu entfernen sodass eure Korrekturen nicht zum Desaster werden.

Auch beim Radieren ist auf den Druck zu achten, da gerade hier die Gefahr, eine Delle in die Leinwand zu drücken, sehr groß ist.

Alternativen

Übertragen der Zeichnung

Eine Alternative zum direkten Zeichnen auf die Leinwand stellt das Übertragen einer fertigen Zeichnung auf eine Leinwand dar.

Natürlich hat man dabei nicht eins zu eins die Vorlage auf der Leinwand, allerdings liefert die Technik gute Resultate und ist vergleichsweise einfacher.

Hat man seine Zeichnung fertig gestellt, so greift man zu Transparentpapier, und beginnt die Zeichnung mit einem harten Bleistift auf das Papier zu übertragen.

Seid hierbei vorsichtig da das Transparentpapier dünn ist und leicht reißen kann.

Zum Übertragen empfiehlt sich ein besonders harter Bleistift, etwa ein Bleistift der Stärke H.

Im nächsten Schritt wird das Transparentpapier gedreht und man beginnt mit einem sehr weichen Bleistift die Zeichnung auf der Rückseite des Transparentpapiers nachzufahren. (2-4B Bleistifte eigenen sich hierzu hervorragend).

Seid ihr damit fertig, fixiert ihr das Transparentpapier so auf eurer Leinwand, dass die Seite, die ihr mit hartem Bleistift gezeichnet haben oben liegt. Hierfür könnt ihr handelsübliches Klebeband nutzen.

Jetzt greift ihr wieder zu eurem harten Bleistift und beginnt damit die Zeichnung erneut nachzufahren.

Dadurch übertragt ihr den weichen Bleistift auf der Rückseite auf die Leinwand und habt euer Bild anschließen richtig herum auf der Leinwand.

Im letzten Schritt bessert ihr Stellen auf der Leinwand aus, an denen sich der Bleistift beim Nachfahren nicht richtig übertragen hat. Hierzu nehmt ihr wieder einen sehr weichen Bleistift.

Druck

Sollte euch diese Technik nicht zusagen und verfügt ihr nicht über das nötige technische Know-How, so gibt es auch die Möglichkeit eure Zeichnung von einen professionellen Fotografen digitalisieren zu lassen.

Anschließend bestellt ihr eure Zeichnung bei einem der zahlreichen Print-Anbieter im Internet, als Kunstdruck auf einer Leinwand. Das sieht professionell aus, und gibt eure Zeichnung in der Regel perfekt wieder.

Bevor ihr den Druck bestellt, solltet ihr allerdings selbst einen Druck auf A4 Papier anfertigen um die Qualität der Digitalisierung zu überprüfen.

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