Welche Zeichentechniken gibt es?


Als ich den Entschluss gefasst hatte mit dem Zeichnen zu beginnen stellte sich mir natürlich zunächst die Frage, welche Zeichentechnik ich lernen will und mit welchem Zeichengerät ich arbeiten möchte.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen sechs Zeichentechniken für welche unterschiedliche Zeichenmittel und Zeichengeräte eingesetzt werden.

Zu den Hauptzeichentechniken der trockenen Zeichenmittel gehören das Schummern, das Schraffieren, das Verwischen und die Frottage, während die Lavierung eine oft genutzte Technik für flüssige Zeichenmittel darstellt.

Jede dieser Zeichentechnikenechniken wird durch eine für sie typische Einsatzweise des Zeichenmittels bzw. des Zeichengegenstandes gekennzeichnet und lässt sich dadurch recht gut von den anderen Zeichentechniken abgrenzen.

Ein Künstler ist dabei bemüht, gerade die Zeichentechnik zu wählen, welche ihm, für die Beschreibung eines Objektes, oder dem Vermitteln eines bestimmten Gefühls, als die am besten geeignete Zeichentechnik erscheint.

Dabei kommt es natürlich auch zum Einsatz mehrerer Zeichentechniken in der gleichen Zeichnung, mit der Absicht dadurch bestimmte Aspekte der Zeichnung besonders herauszustellen.

Die Grundlage aller Zeichnungen

Die Linienzeichnung bildet die Grundlage aller Zeichnungen. Mit ihr versucht der Künstler die Grundzüge einer Illusion zu schaffen, welche er später mit Hilfe der anderen Techniken verfeinert, um ihr den Anschein an Dreidimensionalität und Natürlichkeit zu verleihen.

Ohne Schattierungen kann man so die Grundzüge eines Objektes festhalten. Hierbei beschränkt man sich auf die Konturen sowie markante Stellen des Objektes um eine Grundlage für das Anwenden weitere Zeichentechniken zu schaffen.

Meist ist die Anfertigung einer Linienzeichnung nur einer von vielen Arbeitsschritten welcher das weitere Arbeiten vorbereitet. Allerdings existieren natürlich auch Zeichnungen, welche als reine Linienzeichnung geplant und umgesetzt wurden.

Schummern

paralleles und kreisförmiges Schummern mit dem Bleistift

Bei der Zeichentechnik des Schummerns können alle gängigen Farb- und Zeichenstifte eingesetzt werden. Ob harte oder weiche Miene spielt hierbei keine Rollen und es lassen sich mit ihnen ähnliche Ergebnisse erzielen.

Neben Stiften können auch Pastellkreiden oder Kohlestifte eingesetzt werden, um den erwünschten Effekt zu erzielen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Wichtiger als die Art des Zeichengegenstandes ist beim Schummern die Wahl des Papieres. Auf rauem bzw. grobkörnigem Papier wird ein weniger gleichmäßiger Farbauftrag als bei einem feinen Papier erreicht, sodass es zu „weißen Stellen“ kommen kann.

Das Schummern ist, mit dem nötigen Feingefühl, relativ einfach zu erlernen.

Der Stift wird zunächst ausreichend angespitzt, sodass man ihn in einem möglichst flachen Winkel und mit großer Oberfläche über das Papier bewegen kann.

Mit kreisförmigen Bewegungen wird die Farbe gleichmäßig und kontrolliert auf das Papier aufgetragen um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen.

Die Dauer des Schummerns und der dabei ausgeübte Druck auf den Stift, entscheiden über die Intensität des Farbtons.

Hierbei kann man den Winkel des Stiftes variieren, sodass ein höherer Farbauftrag erreicht wird. Um die aufgetragene Farbe dabei nicht zu verwischen (gerade bei Kohle oder Bleistift), empfiehlt es sich, bereits fertiggestellte Bereiche mit einem sauberen Papier abzudecken.

Schraffieren

Einfache Schraffur, Kreuzschraffur und doppelte Kreuzschraffur, jeweils grob und fein

Die Schraffur ist eine der Hauptzeichentechniken, wenn es darum geht einer Zeichnung Dreidimensionalität zu verleihen. Es handelt sich um eine der wichtigsten Techniken der Zeichnung. Will man das Zeichnen erlernen, so wird man um das Erlernen der Schraffur nicht herumkommen.

Bei der Schraffur werden einige Besonderheiten unseres Auges ausgenutzt. Durch das dichte, oder weniger dicht, Platzieren mehrerer paralleler Linien, wird unserem Auge ein Grauton suggeriert.

Dies geschieht aufgrund der Mischung der dunklen Linien auf dem hellen Papier, welches unser Auge zu grau verbindet.

Bei der Schraffur unterscheidet man einfache und mehrfache Schraffuren. Einfache Schraffuren suggerieren hierbei Halbtöne, während die Kreuzschraffur, bei der mehrere einfache Schraffuren miteinander gekreuzt werden, für dunkle Töne eingesetzt wird.

Aufgrund ihrer Beschaffenheit, wird die Schraffur vorrangig mit trockenen Zeichenmitteln verwendet.

Eine Ausnahmen bildet hier die Tuschezeichnung, bei der die Schraffur auch zu einem der Hauptmittel gehört.

Ein wichtiger Bestandteil der Schraffur ist die Strich- bzw. Schraffurrichtung. Jeh nach Objekt können hier gerade aber auch gekrümmte Striche zum Einsatz kommen.

Grundsätzlich gilt: Die Schraffurrichtung folgt dem Objekt. Das heißt, bei einer Kugel verwendet man gekrümmte Linien, während man bei einem Quader gerade Linien verwendet.

Je nach komplexität des Objektes können die Linien durchaus auch mehrfach gekrümmt (zB S-Form) sein.

Verwischen

Mit Estompe verwischter Bleistift

Das Verwischen ist eine Zeichentechnik um die Übergänge zwischen den verschiedenen Arten von Schatten möglichst fließend und realitätsgetreu darzustellen.

Mit Hilfe des Verwischens, ist es möglich diese Übergänge besonders weich darzustellen, sodass der Betrachter sie auf natürliche Art und Weise wahrnimmt.

Mit der entsprechenden Übung ist es Künstlern möglich, unter Einsatz dieser Zeichentechnik Fotorealistische Bilder zu zeichnen.

Neben Blei- und Kohlestiften eignen sich auf Pastellkreiden hervorragend zum Verwischen.

Das Verwischen kann hierbei mit den Fingern, oder mit Einsatz von Hilfsmitteln ausgeführt werden. Hierbei eigenen sich Wattestäbchen, Küchenrolle, spezielle Pinsel oder die Estompe.

Estompe bestehen aus gerolltem Papier sind speziell für die Zeichentechnik des Verwischens entwickelt worden.

Zunächst werden Linien oder Flächen aufgetragen, welche anschließen kontrolliert Verwischt werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Wie weich der Verlauf von Hell nach Dunkel dabei gewählt wird bleibt dem Künstler selbst überlassen.

Ist die Zeichentechnik des Verwischens erfolgreich angewendet worden, kann man sein Ergebnis mit Hilfe eines Radiergummis verfeinern.

Mit einem knetbaren Radiergummi oder einem Radierstift, lassen sich aus dem verwischten Bereich gezielt Flächen abtragen, um so Lichtreflexe zu suggerieren.

Frottage

Das Wort Frottage leitet sich von dem französischen Verb frotter, was so viel wie reiben bedeutet, ab.

Bei der Zeichentechnik der Frottage, wird durch geschickten Einsatz von Druck, die Struktur einer Oberfläche auf den Zeichengrund übertragen.

Um dies zu erreichen, legt man das Zeichenpapier auf die Oberfläche, deren Struktur man auf das Zeichenpapier übertragen möchte.

Reibt man nun mit Zeichengerät (Ähnlich wie beim Schummern), unter Ausübung von kontrolliertem Druck über die Fläche, so werden die Konturen der darunterliegenden Struktur auf das Zeichenpapier übertragen.

Die Zeichentechnik der Frottage macht sich hierbei die Tatsache zunutze, dass sich, an der Stelle an

der sich die Höhen befinden, mehr Farbe auf dem Zeichenpapier ablagert, als dort wo die Tiefen liegen.

Die Frottage eignet sich hervorragend um größere Flächen der Zeichnung zu vereinfachen (z.B. Hintergrund) und sich so einiges an Arbeit zu ersparen.

Lavieren

Die Zeichentechnik des Lavierens wird beim Zeichnen mit flüssigen Zeichenmitteln wie z.B der Tuschezeichnung eingesetzt.

Hierbei macht man sich die Flusseigenschaften des Zeichenmittels zunutze, um Schattierungen darzustellen und Flächen zu füllen.

Das Zeichenmittel wir hierbei stark verdünnt und anschließend auf die Zeichnung aufgetragen.

Genau wie beim Aquarellmalen, von dem diese Technik übernommen wurde, arbeitet man sich hierbei von den hellen zu den dunklen Tönen vor.

Oftmals werden mit dieser Technik auf Zeichnungen anschließend mit Aquarellfarben eingetönt um der Zeichnung einen besonderen Charakter zu verleihen.

Für die Zeichentechnik des Lavierens eigen sich Aquarellfarben und Tusche ganz besonders gut, da sie über die nötige Transparenz verfügen.

Hierdurch vermeidet man, dass der Eindruck einer nachträglichen Tönung entsteht, und sich das Lavieren gut in den Gesammtstil der Zeichnung einfügt.

Kombinierte Techniken

Da verschiedene Zeichentechniken für verschiedene Effekte besonders geeignet sind, findet man in der Praxis häufig Kombinationen der Zeichentechniken vor.

Hierbei verschwimmt die Grenze zwischen Zeichnung und Malerei und schafft Raum für interessante Kombination von Zeichentechniken.

Für Anfänger

Steht man am Anfang seiner Zeichenkarriere, so kann man durch die verschiedenen Zeichentechniken durchaus zunächst verwirrt sein. Allerdings sollte man sich die Zeit nehmen und jede der Zeichentechniken mehrere Stunden Üben.

Hierbei sollte man mit der einfachsten Zeichentechnik, der Schraffur beginnen, da man dort am schnellste erste Erfolge erzielen kann.

Hat man die Schraffur gemeistert, so bietet es sich an, zunächst die Zeichentechnik des Schummernd, als Vorbereitung für die Zeichentechnik des Verwischens zu üben.

Da das Lavieren eine sehr spezielle Zeichentechnik ist, sollte man sie zunächst außen vorlassen und sich erst später, wenn man sich mit Bleistift und Kohle sicher fühlt, ausprobieren.

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