Welches Papier nimmt man zum Zeichnen?


Bei kaum einem anderen Material gibt es eine derart große Auswahl wie beim Papier. Schaut man sich in der Papierabteilung eines Künstlergeschäftes um, fühlt man sich beinahe überwältigt. Da ist es nicht verwunderlich das sich angehende Künstler die ihre ersten Zeichnungen zu Papier bringen wollen fragen, welches Papier sie hierzu nehmen sollen.

Für fotorealistische Bleistiftzeichnungen eignet sich sehr feinkörniges Papier, da man hierauf weichere Übergänge erreicht. Für Skizzen kann man ruhig handelsübliches Kopierpapier oder etwas dickere Skizzenblöcke nehmen. Für Kohle- und Kreidezeichnungen sollte man grobkörniges Papier nehmen, da dort die Pigmente besser haften.

Oberflächen, Verhalten, Körnung, Dicke, Formate, und vieles mehr. Wer blickt da noch durch?

Letztendlich kommt es bei der Auswahl des richtigen Papiers für Bleistiftzeichnungen auf die persönlichen Vorlieben an, allerdings gib es auch einige andere Dinge welche man nicht außen vor lassen sollte.

Die Wahl des richtigen Papier hat großen Einfluss auf das fertige Endprodukt und gerade bei Bleistiftzeichnungen gibt es je nach Papierart erhebliche Unterschiede im Auftragen des Bleistiftes auf das Papier.

Auf diese Eigenschaften muss man achten

Papierstärke (manchmal Dicke)

Papierstärke wird in Gramm pro Quadratmeter gemessen. Das hilft zum einen die Stärke über verschiedene Formate zu vereinheitlichen, zum anderen gibt es uns Auskunft über die Dicke des Papieres. Schwereres Papier ist dicker, leichteres dünner.

Kopierpapier ist mitunter das dünnste Papier mit 80g/qm, Aquarellpapiere sind die dicksten, und befinden sich bei etwa 300g/qm oder mehr.

Holzanteil

Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Papier aus Holz gemacht wird, werden hochwertige Zeichenpapiere oft aus Zellstoff gefertigt. Dabei werden die Pflanzenfasern chemisch aufbereitet und anschließend gepresst.

Trotz allem werden dafür Bäume gefällt. Immerhin müssen die Pflanzenfasern ja auch irgendwo herkommen. Der Unterschied liegt darin, das Zellstoff im Gegensatz zu Holz kein Lignin enthält. Lignin ist der Stoff, der bei Papieren dazu führt, dass sie vergilben. Das heißt also, Papiere aus Zellstoff sind länger haltbar.

Säure

Ein weitere Punkt der sich auf die Haltbarkeit des Papiers auswirkt. Liegt im fertigen Papier keine freie Säure mehr vor, so nennt sich das Papier Säurefrei.

Weißton

Der Weißton ist in einem Iso-Standart festgelegt und auf dem Papier als Zahl kenntlich gemacht. Da uns diese Zahlen wenig sagen findet man meistens Bezeichnungen wie: Extra weiß, Naturweiß, usw.

Der Grad des Weißtons kann je nach nach Zeichenmittel und erwünschtem Effekt der Zeichnung einen großen Unterschied machen.

Formate

Jeder kennt die gängigen DIN Formate spätestens seit der Schule. Angefangen bei A0, dem größten Format bis hin zu A8, gibt es DIN Formate für jeden Anwendungsbereich.

Zum Zeichnen kommen allerdings nur Formate ab A5 aufwärts in Frage da alles andere zu klein ist um zufriedenstellende Kunstwerke zu zeichnen

Die Oberfläche

Bei der Oberfläche dreht sich alles darum, wie rau oder fein sich das Papier anfühlt. Dies hat großen Einfluss darauf, wie die fertige Zeichnung aussieht und wie sie auf den Betrachter wirkt.

Normales Kopierpapier ist sehr feinkörnig, allerdings nicht so feinkörnig wie Bristolpapier. Die Oberfläche von feinen Papieren sorgt dafür, dass Farben besser decken, und man weniger Schichten auftragen muss um das Papier zu füllen.

Bleistift lässt sich auf feinem Papier leichter verwischen als auf rauem Papier und sorgt so für weichere Übergänge zwischen den Schatten. Dies kann gerade bei sehr detailgetreuen Bildern mit weichen Übergängen einen großen Unterschied im Endergebnis machen.

Bei groben Zeichenmitteln, wie Kohle oder Pastellkreide sorgt es allerdings dafür das die Pigmente schlecht an das Papier gebunden werden und nur wenige Farbschichten auf der Oberfläche halten.

Je grober die Körnung des Papiers desto stärker wird man in der fertigen Zeichnung die Struktur des Zeichenpapiers durchsehen. Zeichenblöcke verfügen meist über eine mittelstarke Körnung sodass man immer noch weiche Übergänge zeichnen kann und Details gut zu erkennen sind.

Sehr starke Körnung eignet sich hingegen hervorragen für Kohle- oder Kreidezeichnungen. Die Pigmente finden hier guten Halt, allerdings lässt es sich auf diesem Papier nicht so detailreich Zeichnen wie auf feinerem Papier.

Generell gilt, auch für Bleistiftzeichnungen, je rauer das Papier, desto besser kann man darauf seine Schichten an Pigmenten auftragen. Gerade bei Bleistiftzeichnungen bei denen viele Schatten gezeichnet werden und viel verwischt wird, kann dies von Vorteil sein.

Skizzenpapier

Ich persönlich fertige weitaus mehr Skizzen an, als Zeichnungen, die dafür gemacht sind aufgehängt zu werden. Das hat mehrere Gründe, zum einen weil ich viel Übe, und zum anderen weil ich einen loseren Zeichenstil bevorzuge.

Hier nutze ich für gewöhnlich handelsübliches Kopierpapier für meine Bleistiftzeichnungen oder aber Skizzenblöcke die von der Stärke her in etwa um die 120g/qm angesiedelt sind. Sie sind kostengünstig zu erwerben, sodass man auch bei einer hohen Anzahl von Skizzen nicht zu tief in die Tasche greifen muss.

Meine Skizzenbücher, die ich vor allem auf Reisen verwende, haben in der Regel eine Stärke von 130-150g/qm und eine mittelstarke Körnung. Bei Skizzenbüchern mit sehr feiner Körnung habe ich festgestellt das die Bleistiftzeichnungen beim Schließen des Buches sehr schnell verwischen.

Papier für Bleistiftzeichnungen

Will man eine Zeichnung schaffen die später einmal ausgestellt, verkauft oder an die Wand gehängt werden soll, sollte man zu anderem Papier greifen. Hier empfiehlt es sich ein stärkeres Papier zu verwenden (150-180g/qm) um dem Papier Stabilität zu geben.

Bei detailgetreuen bzw. fotorealistischen Zeichnungen sollte man darauf achten, dass die Körnung des Papiers nicht zu grob ist, oder aber, sollte dies der Fall sein, ein größeres Papier wählt. Die grobe Körnung macht es schwer sehr detailreich zu zeichnen. Das lässt sich allerdings durch größeres Papier gut ausgleichen.

Auch würde ich für Zeichnungen im Hinblick auf die Haltbarkeit empfehlen darauf zu achten, das ihr euch Papier aus Zellstoff besorgt, im besten Fall auch säurefrei, um ein vorzeitiges Vergilben des Papiers zu vermeiden.

Dafür müsst ihr etwas tiefer in die Tasche greifen, allerdings werdet ihr dafür weitaus länger Spaß mit eurer Zeichnung haben und euch nicht nach ein paar Jahren darüber ärgern, dass das Papier unansehnlich wirkt.

Papier für Kohlezeichnungen und Pastellkreidezeichnungen

Beim Papier für Kohlezeichnungen gilt es darauf zu achten, dass man ein raues Papier wählt. Ist das Papier zu glatt, haftet die Kohle nicht, und es ist nicht möglich mehrere unterschiedliche Schichten aufzutragen.

Gutes Papier für Kohlezeichnungen weist eine grobe Maserung auf und man kann die Struktur des Papiers mit bloßem Auge deutlich erkennen. Raue Aquarellpapiere eignen sich hier besonders gut, sollten aber aufgrund des Preises nur für wichtige Zeichnungen und nicht für Skizzen genommen werden.

Des Weiteren sollte man auf die Farbe des Papiers achten. Anfänger tun sich in der Regel leichter wenn sie auf strahlend weißem Untergrund zeichnen. Fortgeschrittenere Künstler wählen gerne etwas dunkleres Papier, da es ihnen mehr Freiheiten lässt.

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