Wie viel kann ich für meine Zeichnungen verlangen?


In dem Moment indem ich meine Zeichnungen als gut genug betrachtete, um sie zu verkaufen, stellte sich natürliche die Frage, wie viel ich für meine Zeichnungen verlangen kann.

Der Preis, den man für eine Zeichnung verlangen kann wird zu großen Teilen davon beeinflusst wie viel Zeit man in seine Arbeit investiert hat, und was andere Künstler für die gleiche Zeichnung verlangen. Auch die Einzigartigkeit spielt eine große Rolle. Für Zeichnungen die kommerziell verwendet werden kannst du mehr verlangen als für private Aufträge. Solltest du nicht auf das Geld angewiesen sein, gibt dir das mehr Freiheit wenn es um die Gestaltung des Preises geht.

Natürlich ist die Frage, wie viel man für seine Zeichnungen kann, weitaus komplexer, weshalb wir uns die einzelnen, bereits genannten, Punkte noch einmal genauer ansehen sollten.

Wie schnell zeichnest du?

Die Geschwindigkeit in der du zeichnest ist einer der wichtigsten Faktoren, wenn es darum geht, wie viel du für deine Zeichnungen verlangen kannst. Einen zentralen Punkt bildet hier die Frage: „Wie viel ist dir deine Zeit wert?“

Geld erhalten wir als Ausgleich für unsere investierte Zeit in eine Arbeit. Investierst du wenig Zeit in eine Zeichnung, weil du über sehr viel Erfahrung verfügst und eine qualitativ hochwertige Zeichnung sehr schnell fertigstellen kannst, so kannst du den Preis niedriger ansetzten und erhältst dennoch eine ordentliche Entlohnung für deine investierte Zeit.

Brauchst du allerdings mehrere Tage für eine Zeichnung, so musst du zweifelsohne den Preis nach oben korrigieren um eine entsprechende Bezahlung für deine Investierte Zeit zu erhalten.

Das kann gerade dann zum Problem werden, wenn andere, erfahrenere Künstler, ihre Zeichnungen billiger anbieten, weil sie in kürzerer Zeit mehr Zeichnungen produzieren als du. Dies wird dich zwingen den Preis zu senken, und dein Stundenlohn wird sinken.

Ein Beispiel:

Ein Zeichner benötigt 5 Stunden für ein Portrait, er verlangt für die Zeichnung 50 Euro, was einem Stundenlohn von 10 Euro pro Stunde entspricht.

Du benötigst für die selbe Zeichnung (im Bezug auf die Qualität) 20 Stunden, und musst dementsprechend 200 Euro verlangen, wenn du den gleichen Stundenlohn verlangen willst.

Der Wert deiner Arbeit

Wenn es darum geht wie viel du für deine Zeichnungen verlangen kannst, so geht es auch immer um den Wert deiner Arbeit. Damit meine ich diesmal nicht die investierte Zeit, sondern viel mehr den Wert der Zeichnung selbst.

Wie sehr hebst du dich von anderen Künstlern ab? Besitzt deine Zeichnung über eine individuelle Komponente wie etwa einen besonderen Stil, den nur du anbietest?

Jeder Künstler eignet sich im laufe seiner Karriere einen eigenen Stil an. Bietest du eine Zeichnung an, die in deinem persönlichen Stil gezeichnet ist, verändert dies den Preis der Zeichnung drastisch.

Der Stil eines Zeichners ist schwer zu imitieren und wir dementsprechend hoch entlohnt.

Bietest du die selbe Zeichnung wie andere Künstler an, hebst du dich nur wenig von der Masse ab und dein Preis wird sich deshalb an der Masse orientieren müssen. (zB. fotorealistische Portraits)

Schaffst du es hingegen deiner Zeichnung eine persönliche Note zu verleihen, die die Zeichnung zu etwas besonderem macht, einem Unikat, so kannst du bei weitem mehr verlangen als die anderen Künstler, da man die Zeichnung in dieser Form nur bei dir kaufen kann.

Das heißt nicht, das du zwangsläufig anders sein musst, es heißt aber das sich der Preis, den du für deine Zeichnungen verlangen kannst, nach oben ändert, wenn du dich abhebst.

Bist du auf das Geld angewiesen?

Bist du auf das Geld, welches du durch deine Bilder verdienst, angewiesen, so beeinflusst das den Preis, den du für eine Zeichnung verlangen kannst.

Du musst einen Lebensunterhalt bestreiten und musst sicherstellen, dass am Anfang des Monats genug Geld in der Kasse ist.

Dies zwingt dich sicherzustellen, dass du auch Bilder verkaufst und nimmt dir die Freiheit, für deine Bilder eventuell mehr Geld zu verlangen.

Du kannst dich nicht zu sehr an der Zeit deiner Arbeit orientieren, sondern musst sicherstellen, dass dein Preis konkurrenzfähig ist.

Das kann dazu führen, dass du einen erheblich schlechteren Preis verlangst, als deine investierte Zeit eigentlich Wert wäre. Als Beispiel hierfür gilt das oben genannte Beispiel.

Setzt du den Preis zu hoch an, so kann das dazu führen, dass du keine Bilder verkaufst und in Geldnöte kommst.

Du wirst unweigerlich den Preis senken müssen um mehr Bilder zu verkaufen und deine Rechnungen decken zu können.

Ist deine Zeichnung ein Original?

Auch diese Frage spielt eine Rolle, wenn es um den Preis geht, den man für eine Zeichnung verlangen kann. Viele Zeichnungen werden heutzutage als Kunstdrucke angeboten, und können so unendlich oft in exakt der gleichen Qualität reproduziert werden.

Der Verkauf dieser Drucke hat den Vorteil, dass der Künstler die Zeichnung einmal zeichnet und immer wieder verkaufen kann, drückt allerdings den Preis da es sich nicht mehr um ein Einzelstück sondern um eine „Serienproduktion“ handelt.

Den gleichen Preis wie für eine originale Zeichnung zu verlangen ist hier schlichtweg nicht möglich (siehe: Wert deiner Arbeit) Zum einen werden die Abnehmer kaum einen Druck kaufen, wenn sie für das selbe Geld ein Original erhalten können.

Zum anderen besitzt der Druck nicht den Reiz, über den eine originale Zeichnung verfügt und ist somit auch preislich nicht auf der gleichen Stufe anzusiedeln. (Hier gibt es Ausnahmen wie zB. limitierte Auflagen)

Rechnung pro Stunden

Oft rechnet man bei der reinen Entlohnung der Arbeit (ohne den Wert des Bildes zu berücksichtigen) mit dem Lohn pro Stunde. Dies gibt dir einen guten Anhaltspunkt für den Preis, den du für deine Zeichnung verlangen möchtest.

Der gesetzliche Mindestlohn im Jahr 2020 entspricht 9,35 Euro. Dies musst du nun nur noch auf die von dir investierte Zeit hochrechnen. Hierbei solltest du allerdings auch den Wert deiner Arbeit beachten und nicht blind nach der investierten Zeit rechnen.

Immerhin willst du deine Zeichnungen nicht unter dem Wert verkaufen. Ich selbst sehe das als Geld, welches man dir für deine im Vorfeld investierte Zeit (Üben/Zeichnen lernen) bezahlt. Immerhin hast du zu diesem Zeitpunkt bereits hunderte wenn nicht tausende Stunden in das Zeichnen investiert.

Beispiel:

Du benötigst 5 Stunden für eine Zeichnung und möchtest diese verkaufen. Der Mindestlohn ist dir zu wenig, und du hättest für deine investierte Zeit gerne 15 Euro pro Stunde. Da es sich, darüber hinaus, um eine Qualitativ hochwertige Zeichnung handelt, schlägst du 2 Euro pro Stunde auf die 15 Euro drauf.

5 Stunden mal 17 Euro = 85 Euro

Beachte hier auch den Versand, der bei Zeichnung, die extra gesichert und verpackt werden müssen, meistens teurer ist als für gewöhnliche Pakete. (zB. Aufschlag für Rolle)

Verwendung der Zeichnungen

Die Verwendung deiner Zeichnung ist mitunter einer der wichtigsten Punkte um zu entscheiden, wie viel du für eine Zeichnung verlangen kannst. Immerhin gibt es hier gewaltige Unterschiede.

Vergibst du mit der Zeichnung eine Lizenz zur Vervielfältigung, oder verkaufst du eine Zeichnung die „einfach nur an einer Wand hängen wird“?

Generell kannst du einen weitaus höheren Preis für deine Zeichnung verlangen, wenn du davon ausgehst, dass sie später vervielfältigt wird und kommerziell genutzt wird. Dies solltest du bei festsetzen des Preises berücksichtigen.

Jemand der mit deinem Bild Geld verdienen will, oder seinen Verdienst in irgendeiner Weise mit deinem Bild steigern will, wird bereit sein mehr weitaus mehr Geld auf den Tisch zu legen, als jemand der sich die Zeichnung in sein Wohnzimmer hängen will.

Auftraggeber

Um wen handelt es sich bei deinem Auftraggeber? Ob es sich um eine Privatperson oder ein Unternehmen handelt, hat erheblichen Einfluss darauf, wie viel du für deine Zeichnung verlangen kannst.

Dies hängt direkt damit zusammen wie dein Bild genutzt wird, muss aber nicht unbedingt damit zusammenhängen.

Unternehmen werden eventuell auch einfach Zeichnungen bestellen um ihre Büroräume zu verschönern. Hierbei sind sie allerdings trotz allem in der Regel dazu bereit, mehr Geld zu bezahlen als eine Privatperson.

Art der Zeichnung

Welcher Art deine Zeichnung ist hängt damit zusammen, wie viel Zeit du investieren musst und hat deshalb Einfluss darauf, wie viel du für deine Zeichnung verlangen kannst.

Arbeitest du mit einer einfachen Technik, wird dich die Zeichnung weniger Zeit kosten, als wenn du eine sehr schwierige Technik anwendest.

Dies wird zum einen den Wert deiner Arbeit aber auch die investierte Zeit beeinflussen und somit ändert sich der Preis, den du für deine Zeichnung verlangen solltest.

Auch das Motiv spielt hier eine Rolle. Handelt es sich um ein einfaches Motiv so ist die Zeit, die du investierst weniger, und es wird mehr Künstler geben, die diese Art von Zeichnung anbieten.

Handelt es sich um ein besonders schweres Motiv, so wird es weniger Konkurrenz geben und du kannst die Preise für deine Zeichnung freier gestalten.

Habe Selbstvertrauen

Einen weiteren wichtigen Punkt stellt dein Selbstvertrauen dar. Verkaufe dich nicht unter deinem Wert. Oft hat man, gerade wenn man mit dem Verkauf seiner Kunstwerke beginnt, den Eindruck zu viel für die geleistete Arbeit zu verlangen.

Auch wenn dieser Eindruck entsteht, so solltest du dennoch das Selbstvertrauen besitzen, für deine Zeichnung das zu verlangen, was sie wert ist.

Eine gute Faustregel ist hier, auf den Preis, den du maximal für deine Zeichnung verlangen würdest, 10% aufzuschlagen.

Verschleuderst du deine Zeichnungen zu einem niedrigen Preis, wirst du kurzzeitig mehr verkaufen, allerdings entsteht bei deinen Kunden und Auftraggebern der Eindruck, dass deine Zeichnungen aufgrund des niedrigen Preise über eine niedrigere Qualität verfügen.

Recent Content